06.11.2025

Digitalisierung in der Musikbibliothek

Musikalische Werke leichter zugänglich machen

Seit den Anfängen des Klosters wird musiziert und werden die notwendigen Musikalien dafür gesammelt. Der Klosterbrand von 1729 hat die Musikalienbestände nicht verschont. So befinden sich in der heutigen Musikbibliothek hauptsächlich Werke seit der Zeit nach dem letzten Klosterbrand. Diese Noten sind alle auf Papier geschrieben und um die Werke zu finden, gibt es einen Zettelkatalog. Auf diese Weise ist man allerdings immer ortsgebunden und Vergleiche sind teilweise nur schwer zu erarbeiten. In den letzten Jahren gab es zwei Projekte, die man als Digitalisierung verstehen kann.

Engelberger Notenverzeichnis

Das erste Projekt fand in den Jahren 2019 bis 2021 statt und hatte zum Ziel, den Zettelkatalog teilweise zu digitalisieren. Getrieben von der Vorstellung, die karteigestützte Ordnung der Musikbibliothek aufzugreifen und auf eine neue, digitale Ebene zu bringen, entstand im Rahmen eines Projekts dreier Schüler der Stiftsschule Engelberg (Georgio Stevanovic, Kevin Ehrler, Cyprian Feller) das digitale Notenverzeichnis der Musikbibliothek. Das Ziel dieser Schüler war es, Forschenden und Interessierten durch die Errichtung eines digitalen Verzeichnisses Informationen zu den von Engelberger Mönchen komponierten Werken besser zugänglich zu machen.

Digitalisierung durch RISM Schweiz

«RISM Schweiz erschliesst die in Schweizer Bibliotheken und Archiven überlieferten handschriftlichen und gedruckten Noten und Schriften über Musik nach international verbindlichen wissenschaftlichen Normen.» (https://rism.digital/de/rism-ch.html)

Eine erste Form der Digitalisierung fand vor einigen Jahren schon durch RISM Schweiz statt und so sind heute sowohl Handschriften wie auch Drucke aus der Musikbibliothek des Klosters Engelberg (CH-EN) in der Datenbank des RISM unter https://rism.online verzeichnet, wie Dr. Claudio Bacciagaluppi, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim RISM Digital Center, im Gespräch erläuterte. Im damaligen Digitalisierungsschritt ging es um eine einfache bibliothekarische Beschreibung. Im diesjährigen Digitalisierungsprojekt «Digital Music Unica in Switzerland» (D-MUS) standen nun musikalische Unikate im Fokus, wobei laut Bacciagaluppi auch gedruckte Quellen Unikate sein können, «wenn die vorliegende Kopie das einzige überlieferte Zeugnis der Edition oder der Druckauflage ist». Beim zweiten Projekt «Disjecta membra» geht es um unvollständig erhaltene Musikdrucke. Angesichts der relativ kleinen Auflagen und des zweckmässigen, praktischen Charakters des Musikmarktes ist es nicht ungewöhnlich, dass sich heute teilweise keine vollständigen Stimmensätze einer Musikausgabe erhalten haben. So liegen Stimmen eines Werks oft in unterschiedlichen Bibliotheken im In- oder Ausland. Eine koordinierte Digitalisierung kann nun unvollständig erhaltene Musikwerke virtuell zusammenführen. «Gegen 35 Musikdrucke in der Musikbibliothek des Klosters gehören in eine dieser beiden Kategorien: Entweder handelt es sich um die einzigen erhaltenen Exemplare der jeweiligen Ausgaben (etwa Franz Joseph Leonti Meyer von Schauensees ‹Quattro concerti armonici› von 1764) oder die unvollständigen Stimmen in Engelberg ergänzen optimal einen anderen unvollständigen Stimmensatz (zum Beispiel Joseph Stalders «Sei sinfonie», die zwischen Engelberg und Brüssel verteilt erhalten ist)», so Bacciagaluppi weiter. Die Werke der Luzerner Komponisten von Schauensee und Stalder sind von besonderem Interesse in Bezug auf die Lokalgeschichte.

Es stellte sich bei der Erarbeitung des Bestandes heraus, dass etwa zwanzig davon Unikate sind, das heisst, dass sie in keiner anderen Institution weltweit nachgewiesen sind. Im Rahmen der beiden oben erwähnten Digitalisierungsprojekte von RISM Schweiz wurden siebzehn einzigartige Musikdrucke und vier Titel, von denen kein vollständiger Stimmensatz bekannt ist, nun online zugänglich gemacht.

Ergebnisse der Digitalisierung

Sowohl die Projekte des RISM als auch das digitale Notenverzeichnis sind von grosser Bedeutung. Bei der Erarbeitung des Projekts «Notenverzeichnis» ist besonders hervorzuheben, dass hier das Wirken der Engelberger Mönche als Komponisten in den Mittelpunkt gestellt wurde und es so möglich ist, sich über ihr weitgehend unerforschtes Wirken als Komponisten einen guten Überblick zu verschaffen. Es wäre wünschenswert, die noch fehlenden Komponisten ebenfalls zu erfassen.

Vera Paulus
Leiterin Musikbibliothek

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