An der Buchvernissage von Roger Gassers Werk «Feuerland, Geschichten vom Leben am Ende der Welt» wurden die zahlreichen Gäste im Barocksaal des Klosters aus dem Alltag entführt – an einen Ort, der für viele fast mythisch klingt: Feuerland, Archipel am südlichsten Ende Südamerikas.
Bereits die zu Beginn gezeigten Bilder von Bergen, weiten Wasserlandschaften und der Tierwelt weckten Fernweh. Eine Karte mit der Route von der Schweiz bis nach Feuerland verdeutlichte eindrucksvoll die enorme Distanz zu dieser abgelegenen Region.
Im anschliessenden Podiumsgespräch führte Mike Bacher durch die vielfältigen Themen des Buches. Zunächst ging es jedoch um die Frage, wie es zu Roger Gassers «Verliebtheit» mit dieser Region gekommen ist. Der Autor erläuterte, dass seine Faszination bereits in der Schulzeit begann. Der Name Titicacasee auf einer Postkarte seiner Primarlehrerin weckte seine Neugier auf Südamerika. Später folgten Spanischunterricht und Reisen nach Südamerika, die ihn bis nach Feuerland führten.
Im Mittelpunkt des Abends standen vor allem die Lebensgeschichten von Menschen, denen Roger Gasser auf seinen Reisen begegnet ist. Begleitet von Textpassagen aus seinem Buch schilderte er ihren Pioniergeist und ihre Bereitschaft, Herausforderungen selbst anzupacken. Viele Bewohnerinnen und Bewohner von Feuerland stammen aus Familien mit Wurzeln in unterschiedlichsten Ländern. Dennoch sei Feuerland für ihn kein klassisches Einwanderungsland, sondern vielmehr eine Gesellschaft, in der das Bewusstsein für die eigene Migrationsgeschichte Offenheit und Toleranz fördere, erläuterte der Autor.
Besonders eindrücklich waren die Beispiele gelebter Solidarität. In einer oft rauen Umgebung seien die Menschen aufeinander angewiesen. Wer Hilfe benötige, erhalte Unterstützung und lerne gleichzeitig, diese auch anzunehmen. Diese Haltung präge das Zusammenleben bis heute.
Auch die Lebensgeschichte eines Autors mit indigener Herkunft kam zur Sprache. Bewegend war die Schilderung von Menschen, die trotz schwieriger Vergangenheit den Blick nach vorne richten und ihre Zukunft aktiv gestalten.
Zum Abschluss spannte der Autor den Bogen zurück zu den Bildern. Feuerland werde oft als «Ende der Welt» bezeichnet. Gleichzeitig, so seine Beobachtung, sei auch Engelberg auf seine Weise ein Ende der Welt – ein besonderer Ort, ein Mikrokosmos mit eigener Identität. Vielleicht war es gerade dieser Gedanke, der die grosse Distanz zwischen den beiden Regionen an diesem Abend überraschend klein erscheinen liess.
Roger Gasser verstand es auf eindrückliche Weise, uns diese faszinierende Region und ihre Bewohnerinnen und Bewohner auf lebendige und authentische Weise näherzubringen. Die Vernissage bot spannende Einblicke in eine ferne Welt, eröffnete neue Perspektiven und machte Lust darauf, Feuerland durch die Augen des Autors lesend selbst zu entdecken.
Vera Paulus
Fachlehrerin Geschichte
Das Buch «Feuerland, Geschichten vom Leben am Ende der Welt» ist im Buchhandel erhältlich.
Über Roger Gasser:
Roger Gasser, geboren 1969, aufgewachsen in Nunningen im Solothurner Jura.
Studium der Wirtschaftswissenschaften in St. Gallen. Nach verschiedenen Stationen in der Finanzbranche ist er heute Prorektor und Fachlehrer für Wirtschaft & Recht an der Stiftsschule Engelberg.
Mehrjährige Aufenthalte in Lateinamerika ermöglichten ihm tiefe Einblicke in das Leben vor Ort. Durch seine Ehefrau aus dem Süden Argentiniens lernte er Feuerland und seine Menschen auf sehr persönliche Weise kennen. Die Geschichten, die ihm dort anvertraut wurden, bilden das Herzstück dieses Buches.

