Am Montag, 5. Mai trafen sich die Schülerinnen und Schüler der 2. UG mit Hansueli (Latein) und Esther (Mediathek) Flückiger am Bahnhof in Engelberg, um gemeinsam den 8:02-Uhr-Zug zu besteigen. In Luzern stieg dann noch Yolanda Stocker (Biologie) mit in die S-Bahn nach Arth-Goldau. Von dort ging die Reise pünktlich weiter nach Milano und anschliessend Roma Termini. Wann immer der Frecciarossa in Italien etwas langsamer fuhr, bewunderten wir den Mohn, der überall zwischen den Geleisen wuchs. In Rom angekommen, besorgte uns Herr Flückiger ÖV-Tickets für die ganze Woche. Der Bus Nr. 64 brachte uns anschliessend an den Bahnhof San Pietro. Dort ganz in der Nähe war unser Hotel – das von den Suore Teatine geführt wird. Ihr wunderbares Motto «Tu alles aus Liebe» ziert die Wände des Treppenhauses. Nach dem Zimmerbezug zog es die Klasse im Eiltempo zum Ristorante dei Pontefici. Von Gemälden verstorbener Päpste umgeben, spachtelten wir zunächst Bruschetta und anschliessend Pizza oder Pasta. Für das Dessert stiessen auch noch Frau Mory und eine Freundin zur Runde dazu.
Am ersten «richtigen» Rom-Tag, am Dienstag, fuhren wir mit dem Bus bis nach Ara Coeli und liefen anschliessend bei der Medusa vorbei und dem Circus Maximus entlang zum Kolosseum. Um in das Kolosseum zu gelangen, mussten wir zur reservierten Zeit beim Gruppeneingang stehen und dann dort durch die Sicherheitskontrolle. Das Personal hielt zwar vor allem nach Scheren Ausschau, aber leider musste Frau Flückiger im Zuge dessen dann ihren Bresaola und ihr Brot abgeben – unter dem Vorwand, dass man im Kolosseum nicht essen dürfe. Die anderen kamen ohne Probleme durch. Dank dem, dass Herr Flückiger zweimal Tickets bestellt hatte – einen Monat im Voraus die normalen und eine Woche im Voraus um Mitternacht die speziellen – durften wir mit einer kleinen Minderheit der Besuchenden den Boden des Kolosseums begehen und nicht nur die oberen Ränge. Bei strahlendem Sonnenschein sassen wir dort auf Bänken und lauschten den ersten Vorträgen. Schätzungen zufolge starben im Kolosseum mehr als 4,5 Millionen Menschen und doppelt so viele Tiere. Anfangs konnte man es sogar fluten, bis ein späterer Kaiser ein Keller- und Flaschenzugsystem für die Aufbewahrung exotischer Tiere einrichten liess. Als Nächstes stand das Mittagessen auf dem Programm. Dies nahmen wir auf dem nächstgelegenen Hügel, dem Palatin, zu uns. Auch dorthin mussten wir wieder durch eine Leuchtkontrolle und hier musste Ted seinen Fussball abgeben. Dank Teilete mussten die Flückigers trotz Bresaola-Verlust keinen Hunger leiden. Beim Titusbogen hörten wir die nächsten Vorträge. Er zeigt uns dreidimensional den Siegeszug von Kaiser Titus und unter anderem, dass dieser den siebenarmigen Leuchter aus Jerusalem mitgebracht hatte. Von dort liefen wir anschliessend durch das Forum Romanum. Als letzte Sehenswürdigkeit an diesem Tag besuchten wir die Trajansmärkte. Diese waren deutlich weniger überlaufen und wir konnten einfach unsere Rucksäcke in eine Gruppenbox einschliessen lassen. Während des Vortrags hier lernten wir, wieso man das Geld «auf die Bank» bringt und dass die Römer bei ihren Münzen kein Dezimalsystem kannten. Auch die ca. zweitausend Jahre alten Marktmauern hatten vorwiegend die Farbe der roten gebrannten Ziegel und des römischen Betons. Mancherorts lagen die ehemaligen Marmorverzierungen noch auf dem Boden herum; wem es an Fantasie mangelte, der konnte auf den Rekonstruktionszeichnungen eine Idee der Verzierungsfülle erhalten. Nach so viel Lernen gönnten wir uns jeweils zwei bis vier Kugeln Gelato. Kurz frisch gemacht bei den Suore, und schon pressierten wir noch zum Petersplatz, wo Jan Feierabend (AK24) im Anzug auf uns wartete, um uns einen Einblick in die Gepflogenheiten, Aufgaben und Räumlichkeiten der Schweizer Garde zu geben. Wer wollte, durfte mit seiner Hellebarde das Strammstehen üben. Gemeinsam assen wir anschliessend im Magno unser Abendmahl. Viele entschieden sich für die Spezialität des Hauses: römische Pinse. Aber auch die Hamburger, Pizze und Bruschette schmeckten so hervorragend, dass sich die Schülerinnen und Schüler sofort dazu entschieden, auch den kommenden Abend hier verbringen zu wollen.
Am Mittwoch war der erste Tag des Konklave – nach dem Tod von Franciscus musste ein neuer Papst bestimmt werden. Wir nahmen den Bus bis zu den Caracalla-Thermen. Wahnsinnig hohe Rundbögen und Mosaikböden liessen uns erahnen, welche Pracht da ca. 100 nach Christus entstanden sein musste. In diesen Vorträgen erfuhren wir, dass viele Menschen es sich nicht leisten konnten, in die Therme zu gehen, weil sie schlicht arbeiten mussten, um essen zu können. Und dass der Kaiser ca. 400 Familien einen privaten Wasseranschluss zugestehen konnte (über eigene Aquädukte). In den Thermen tröpfelte es ein bisschen, während wir zu Mittag assen – das war aber der einzige Regen der ganzen Woche. Anschliessend fuhren wir zur Stadtmauer und liefen ein paar Meter daran entlang. Dann verliessen wir das «antike Rom» durch die Porta San Sebastiano und gingen der Via Appia entlang bis zur nächsten Querstrasse. Dann nahmen wir auf der Parallelstrasse den Bus zurück zu den Katakomben von San Sebastian. Anders als in Paris sieht man hier keine Gebeine, sondern viele Nischen, Grabplatten und zuletzt auch heidnische Grabhäuser, die im Steinbruch den Ursprung der Katakomben bildeten. Der Katakombenführer erzählte uns die Geschichte des Märtyrers Sebastian, einer Leibwache des damaligen Kaisers, der sich für die Christen einsetzte und deswegen am Pfahl mit Pfeilen durchbohrt wurde. Der Legende nach starb er allerdings nicht durch die Pfeile, sondern später durch ein Schwert, weil er nochmals zum Kaiser zurückging, um auf ihn einzureden. Viel später an diesem Abend, auf dem Rückweg vom Magno, strömten uns an diesem Abend die vielen Menschen entgegen, die auf dem Petersplatz den schwarzen Rauch abgewartet hatten.
Am Donnerstag konnten wir nun leider wegen des Konklaves weder in den Petersdom noch in den Vatikan gehen. Also machten wir uns einen «gemütlichen» Tag. Wir starteten am Morgen etwas später und nahmen den Bus bis zur Fontana di Trevi. Zunächst liefen wir aber zur Spanischen Treppe. Dort hatten die Schülerinnen und Schüler zwei Stunden freien Aufenthalt in Kleingruppen. Die Begleitpersonen tranken auf der Piazza den teuersten Kaffee des ganzen Aufenthalts. Anschliessend gab es ausnahmsweise nicht aus dem Rucksack Zmittag, sondern in der Bar Frattina. Manch einer wäre am Tisch beinahe eingeschlafen; die durchschnittlich geleisteten 20’000 Schritte pro Tag waren da sicher nicht ganz unschuldig. Nach der Stärkung liefen wir zur Fontana di Trevi. Wir konnten das Wasserspiel von der Seite bewundern. Hier war viel los, aber offenbar weniger als in anderen Jahren. Vom Brunnen aus schlugen wir uns durch zum nahe gelegenen Pantheon. Ursprünglich als Tempel für «alle» (pan) Götter (theon) erstellt, wurde er später zur christlichen Kirche umfunktioniert. Etwas vom Spektakulärsten ist sicher die nach oben offene, kreisrunde Kuppel, die ein ausgeklügeltes Wasserablaufsystem im Boden notwendig macht. Auf der Piazza vor dem Pantheon steht wahrscheinlich die teuerste Gelateria der Stadt (13 Euro pro Gelato). Mit neuen Eindrücken beladen gingen wir von hier dann zurück zu den Suore. Kurz nach 18 Uhr stand dann im Rom-Chat, dass es weissen Rauch gibt, und schnell war beschlossen, dass wir nun doch noch mal zum Petersplatz zurückgehen würden.
Yolanda Stocker
Fachlehrerin Biologie
Wir waren in unseren Zimmern, als einer Freundin geschrieben wurde, es gäbe weissen Rauch. Wir dachten, es sei ein Scherz, da ihr am Vortag schon geschrieben worden war. Dann hörten wir aber die Glocken läuten, es war jedoch erst zwölf nach sechs, und so dachten wir, es stimme vielleicht doch. Kurz darauf kam die Nachricht im Rom-Chat, dass ein neuer Papst gewählt worden war, und dann die Frage, ob man auf den Petersplatz gehen wolle. Die meisten antworteten, sie würden sehr gern gehen, und so trafen wir uns fünf Minuten später an der Rezeption. Dank der Nähe zum Petersplatz konnten wir zu Fuss hingehen wie viele andere Leute. Alle beeilten sich sehr, denn niemand wollte dieses Ereignis verpassen.
In und um den Petersplatz gab es Tausende Leute, die alle durch die Sicherheitskontrolle mussten, und so dachten wir, dass wir vielleicht gar nicht auf den Platz kommen, da wir schon relativ spät dran waren. Doch wir kamen recht zügig durch die Sicherheitskontrolle auf den Platz. Auf dem Platz selbst gab es viele grosse Bildschirme, auf denen man das Geschehen beobachten konnte. Wir waren leider etwas auf der Seite und konnten daher das Ganze nur auf einem Monitor verfolgen. Es war jedoch trotzdem ein sehr eindrückliches Erlebnis. Nach etwa zehn Minuten kam der dienstälteste Kardinaldiakon und verkündete, wer der neue Papst sei. Wir aber dachten, er sei der neue Papst, weil alle wie verrückt jubelten und klatschten. Doch als jemand Herrn Flückiger fragte, ob das jetzt schon der Papst gewesen sei, meinte dieser, dass der Papst erst noch kommen würde.
Kurz darauf sah man, wie jemand mit einem Kreuzstab in der Hand auf den Balkon trat und hinter ihm dann der Papst. Der Papst wurde bejubelt und die Hymne von Vatikan und Italien wurde gespielt. Dann sprach er zu den Leuten, die ihn immer wieder unterbrachen mit Rufen wie «Viva il papa!» und Applaus. Er sprach einen Segen und alle waren sehr berührt. Wir verstanden leider nur wenig, aber es war ein unglaublicher Moment und wir waren dankbar, dabei sein zu können. Nachdem der Papst den Segen gesprochen hatte, drängten die ersten Leute schon wieder zum Ausgang. Der Papst winkte noch ein paar Mal und zog sich dann zurück in den Petersdom, gleichzeitig strömten auch die Menschenmassen Richtung Ausgang.
Frau Stocker machte den Anfang unserer Gruppe und wurde mit ein paar Schülern vom Rest getrennt. Die hintere Gruppe dachte, dass ein Schüler verloren gegangen war, dieser war jedoch bei der vorderen Gruppe. Frau Stocker erklärte der vorderen Gruppe immer wieder, dass wir ihr einfach hinterherlaufen sollen, nicht anhalten und dann dort warten, wo es nicht mehr so viele Leute hat. Die hintere Gruppe schloss auf und zusammen gingen wir zum Restaurant vom ersten Abend. Zum Glück konnten wir noch dort essen, obwohl unsere Reservation früher gewesen wäre. Wir haben den letzten Abend alle sehr genossen.
Lior Benjamin, Kaya Nüssli
2. UG
