31.03.2026

Fünf Jahre Kollegitheater

Fünf Jahre Theater – fünf unvergessliche Rollen!

Nirgends kann man sich so kreativ und auf vielfältige Art und Weise ausleben wie im Theater. Nach fünf Jahren Theatererfahrung auf der Stiftsschulbühne lässt sich meine Erfahrung in diesem Satz prägnant zusammenfassen. So war jedes Jahr komplett anders als dasjenige zuvor und dadurch war es auch stets spannend, ein Teil davon zu sein.

Das erste Mal durfte ich 2021 mit dem Stück «Die Räuber» von Friedrich Schiller auf der Bühne stehen. Dort lernte ich den Theaterfundus kennen und erlebte, wie es ist, wenn man plötzlich in Kleider aus dem 18. Jahrhundert schlüpfen kann, um eine glaubwürdige Räuberin darzustellen. Mir sind vor allem auch die vielen Lacher hinter der Bühne in Erinnerung geblieben, wenn nach einem Bühnenbildumbau mal wieder ein Bier im Zimmer der Prinzessin stand.

Im Jahr darauf führten wir ein Stück auf, das von einer aktiven Theaterschauspielerin zusammen mit ihrer älteren Schwester geschrieben worden war, die ebenfalls am Kollegitheater mitgespielt hatte. Für «Hollywood im Hotel» durften wir den Barocksaal als unsere Theaterbühne nutzen, wodurch wir inmitten des Publikums spielten. Es hiess, dass eine berühmte Schauspielerin Undercover das Hotel besuchen kommen sollte. Getarnt als Sekretärin konnte ich zusehen, wie alle nach dieser berühmten Schauspielerin (also nach mir) suchten. Auch stilistisch hob sich dieses Stück voll und ganz von den anderen Jahren ab, da es eine Komödie war, die in der heutigen Zeit spielt. Zusätzlich gefiel es mir, eine Rolle zu spielen, die schliesslich den «Plottwist» verkörperte.

In meinem dritten Jahr ging es zu einem alten Klassiker zurück: Goethes «Faust». In diesem Jahr griffen wir aus vollen Zügen zu Spezialeffekten. So organisierten wir eine Drehbühne, zwei Nebelmaschinen, Mikrofone und zusätzliche Scheinwerfer, um die magischen Tricks von Faust glaubwürdig vorführen zu können. Hinter den Kulissen ging es dort manchmal sehr hektisch zu. Dies vor allem, wenn die Bremse für die Drehbühne mal wieder klemmte. Durch die Rolle als Frau Marthe, der Nachbarin von Gretchen, konnte ich wieder in eine völlig neue Figur schlüpfen. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der Besuch im Theaterfundus Luzern, bei dem wir für meine Rolle als Frau Marthe und für eine Freundin, die Gretchen spielte, schöne Kleider aussuchen konnten.

2025 haben wir uns in eine ganz neue Richtung gewagt: ein offenes Theater. Das war rollentechnisch das erste grosse Highlight für mich, da ich dort die Hauptrolle spielte. Im Stück «Der gestiefelte Kater oder wie man das Spiel spielt» durfte ich als Kater dem unglücklichen Müllerssohn helfen, König zu werden und die Prinzessin zu heiraten. Unsere Stylistin scheute dabei keine Mühe, mich wie ein echtes Tier aussehen zu lassen. Dabei sassen einige von uns Schauspielern im tatsächlichen Publikum und kommentierten das Geschehen auf der Bühne –das allerdings meist im negativen Sinne. Zudem gab es in diesem Stück noch eine dritte, sogenannte Meta-Ebene, in der zum Beispiel die Regisseurin oder der Techniker zum Publikum sprachen.

Dieses Jahr waren ich und auch einige andere «alte Hasen» zuerst überwältigt von dem grossen Zuwachs, den wir erfahren hatten. So standen dieses Jahr 26 Schauspieler und Schauspielerinnen auf der Bühne. Nach einigem Suchen war mir Dürrenmatts Stück «Der Besuch der alten Dame» ins Auge gestochen, für das wir uns einige Wochen später auch entschieden. Dieses Werk interessierte uns nicht nur aufgrund der zahlreichen benötigten Darsteller, sondern auch wegen der moralischen Frage, ob sich Gerechtigkeit kaufen lässt. Da dies mein letztes Jahr war, wollte ich noch einmal etwas ganz anderes ausprobieren. So reizte mich die Rolle als geldgieriger Fiesling, der aber gleichzeitig Ill für seine Taten verurteilt, sehr. Besonders faszinierte mich die emotionale Wandlung des Bürgermeisters gegenüber Ill: vom stolzen Nachfolger zum Täter, vom moralischen Gewissen zu demjenigen, der Ill schliesslich zum Selbstmord drängt. Um dem Ganzen noch die letzte Note zu verpassen, entschied ich mich, einen Mann zu spielen. Auch dieses Jahr kann ich dafür nur der guten Stylistin danken, die durch einen Schnauzer, Perücke und gut sichtbarer «Jawline» wieder Wunder schuf. Auch die Erfahrung, mit so vielen Menschen auf und hinter der Bühne zu stehen, war noch einmal ganz speziell. Wie jedes Jahr gab es auch hinter der Bühne wieder tolle Momente, so etwa die Tanzeinlage hinter der Bühne, wenn das Lieblingsstück der alten Dame, eine armenische Volksmusik, abgespielt wurde.

So werden mir die fünf Jahre Theater in wunderschöner Erinnerung bleiben. In dieser Zeit konnte ich tolle Freundschaften schliessen und durfte viele tolle und lustige, aber auch hektische Momente erleben.

Romina Zeugin
Maturaklasse 2026

 

1-3: 2022, F. Schiller „Die Räuber“

4-6: 2023, „Hollywood im Hotel“

7-9: 2024, J. W. Goethe „Faust“

10-12: 2025, T. Dorst „Der gestiefelte Kater oder wie man das Spiel spielt“

13-15: 2026, F. Dürrenmatt „Der Besuch der alten Dame“

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