09.07.2025

Maturaarbeit: Impact of Menstrual Cycle and Hormonal Contraception on Physical Performance

Einleitung

Die Frage, ob der Menstruationszyklus und hormonelle Verhütungsmittel die körperliche Leistungsfähigkeit von Frauen beeinflussen, ist im Alltag vieler Sportlerinnen präsent, wurde wissenschaftlich aber bisher nur wenig untersucht. Diese Maturaarbeit ging genau dieser Fragestellung nach: Welche Auswirkungen haben Zyklusphasen auf die körperliche Leistung, und unterscheiden sich diese Effekte zwischen Frauen mit natürlichem Zyklus und solchen, die kombinierte hormonelle Verhütungsmittel (CHC) einnehmen?

Die Menstruation von Frauen und ihr Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit ist ein wichtiges, aber weitgehend unerforschtes Thema, das in der Gesellschaft immer noch tabuisiert wird. Ein Beispiel dafür ist ein Interview mit der amerikanischen Skifahrerin Mikaela Shiffrin im Jahr 2023, in dem sie ihre Schwierigkeiten nach einem Rennen mit den Worten beschrieb: «Ich bin leider in einer unglücklichen Phase meines monatlichen Zyklus.» Der österreichische Kommentator übersetzte dies jedoch falsch, was Shiffrin dazu veranlasste, Hashtags wie #normalizeperiods zu verwenden, um das Tabu zu brechen. Solche Situationen motivierten die Autorin, mehr über die Menstruation und ihren Einfluss auf die körperliche Leistungsfähigkeit zu erfahren, insbesondere im Zusammenhang mit hormonellen Verhütungsmitteln.

Methode

Um die Forschungsfrage zu beantworten, wurden sowohl quantitative als auch qualitative Daten gesammelt. Die Grundlage der Untersuchung bildeten zwei Datensätze: Zum einen war dies ein standardisierter 1000-Meter-Rudertest, der von zehn Frauen (je fünf mit natürlichem Zyklus bzw. CHC) zweimal durchgeführt wurde, jeweils zu verschiedenen Zeitpunkten ihres Zyklus. Zum anderen waren es qualitative Fragebögen, mit denen die subjektive Wahrnehmung vor und nach dem Test erfasst wurde. Ergänzend wurde umfassender Hintergrund zur Physiologie des weiblichen Zyklus sowie zur Wirkung hormoneller Verhütung recherchiert.

Zehn Teilnehmerinnen wurden in zwei Gruppen eingeteilt: Gruppe 1 bestand aus fünf Frauen mit natürlichem Menstruationszyklus und Gruppe 2 bestand aus fünf Frauen, die kombinierte hormonelle Verhütungsmittel verwendeten. Beide Gruppen führten zweimal einen 1000-Meter-Rudertest durch: einmal während der Menstruation bzw. der Entzugsblutung und einmal während der späten Follikelphase bzw. eine Woche nach der Entzugsblutung. Die Teilnehmerinnen füllten ausserdem einen Fragebogen aus, um ihre subjektiven Empfindungen vor und nach dem Test zu dokumentieren.

Ergebnisse

Die Auswertung zeigt, dass es zwar keine statistisch signifikanten Unterschiede in der gemessenen Leistung gab – dennoch lassen sich klare Tendenzen erkennen: In beiden Gruppen fühlten sich die Teilnehmerinnen während der Menstruation bzw. Entzugsblutung weniger leistungsfähig und empfanden häufiger Schmerzen oder Beschwerden. Während der späten Follikelphase bzw. der Woche nach der Blutung wurden hingegen tendenziell bessere Leistungen erzielt und das körperliche Empfinden als positiver beschrieben. Ein klarer Unterschied zwischen den beiden Gruppen – also zwischen natürlich menstruierenden Frauen und CHC-Nutzerinnen – liess sich jedoch nicht feststellen.

Die quantitativen Daten zeigten eine Tendenz zu einer besseren Leistung in der späten Follikelphase bzw. eine Woche nach der Entzugsblutung im Vergleich zur Menstruation bzw. Entzugsblutung. Allerdings war dieser Unterschied nicht statistisch signifikant. Die qualitativen Daten zeigten, dass sich die Teilnehmerinnen während der Menstruation bzw. Entzugsblutung weniger leistungsfähig fühlten und mehr Beschwerden hatten als in der späten Follikelphase bzw. eine Woche nach der Entzugsblutung.

Konklusion

Die Arbeit verdeutlicht, dass subjektive Faktoren wie Motivation, Wohlbefinden oder Schmerzen einen entscheidenden Einfluss auf die wahrgenommene Leistungsfähigkeit haben können – auch wenn sich dies nicht immer in messbaren Resultaten zeigt. Gerade im Leistungssport, wo kleinste Unterschiede über Sieg oder Niederlage entscheiden können, lohnt sich deshalb eine individuelle Auseinandersetzung mit dem eigenen Zyklus. Für einige Sportlerinnen kann hormonelle Verhütung eine Möglichkeit sein, Beschwerden während wichtiger Wettkampfphasen zu vermeiden – andere setzen lieber auf natürliche Rhythmen. Die ideale Lösung ist letztlich individuell.

Die Ergebnisse dieser Studie deuten darauf hin, dass es sowohl subjektiv als auch objektiv einen Unterschied in der körperlichen Leistungsfähigkeit zwischen der Menstruation bzw. Entzugsblutung und der späten Follikelphase bzw. einer Woche nach der Entzugsblutung gibt. Es konnte jedoch kein signifikanter Unterschied in der Leistungssteigerung zwischen Frauen mit natürlichem Zyklus und Frauen, die kombinierte hormonelle Verhütungsmittel verwenden, festgestellt werden. Für zukünftige Studien wäre es sinnvoll, wettkampforientierte Athletinnen mit ähnlichem Leistungsniveau über einen längeren Zeitraum zu testen, um mögliche Verzerrungen durch einen Lerneffekt zu minimieren.

Andrina Ehrat
Maturaklasse 2024

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