Projektchor für den 15. August
Der Anfang
Es war im August 2012 bei meiner ersten Schuljahreseröffnungskonferenz, als P. Guido darauf hinwies, dass es doch schön wäre, wenn am 15. August eine etwas besondere musikalische Gestaltung im Festgottesdienst stattfinden könnte. Schliesslich sei es das Patrozinium der Klosterkirche und schulfrei, insofern, als dass für die Internen der Gottesdienstbesuch zum Programm gehöre.
Glücklicherweise hatte er auch einen konkreten Vorschlag, mit welcher Musik und in welcher Besetzung diese entsprechende Feierlichkeit erreicht werden könnte. So sangen denn am Mittwoch, 15. August 2012 – nach einer einzigen Probe am Vortag – sechs Männerstimmen, davon die Hälfte Mönche, aus der Messe brève für Sopran und Alt (!) von Léo Delibes. An der Orgel spielte Alessandro Valoriani und unterstützte uns bei diesem Einstand tatkräftig.
So weit, so gut!
Aufgrund dessen, wie günstig gelegen dieser Festtag im Jahreskreis ist und wie einladend sich Engelberg Mitte August zeigt, entstand die Idee eines Projektchors.
Einladung zum Projektchor
Eine kompakte Probenzeit, eine ansprechende Werkwahl und die Gelegenheit, das Proben mit Wandern oder einfach Chillen zu verbringen: ein Angebot für motivierte Sängerinnen und Sänger aus Kirchenchören, die zu dieser Zeit (Sommerferien) noch probefrei haben und dennoch gerne singen würden. So kamen zu Beginn Menschen aus unterschiedlichen Kontexten zusammen. Singende aus der vorherigen Wirkstätte, aus dem Stiftschor, gar einzelne Schülerinnen und Schüler waren dabei, die die Tage der letzten Ferienwoche singend verbringen wollten. Eine sehr gefreute Sache! Und so erklang am 15. August 2013, am Tag der «Aufnahme Mariens in den Himmel» die Missa brevis in F von Joseph Haydn mit den beiden Sopransoli, die sich in reizenden Koloraturen in den Himmel schrauben.
Dies sollte der Anfang werden einer schönen «Tradition», die sich seither alljährlich wiederholt, wenn man von den Spezialprogrammen in den Coronajahren absieht.
In dieser Zeit sind ganz unterschiedliche Werke zur Aufführung gekommen. Die Programmgestaltung richtete sich einerseits nach den zu erwartenden Anmeldungen und andererseits nach ungeschriebenen Regeln, die da lauten:
Ohne Mozart geht es nicht. Mehrmals war es das Offertorium «Alma Dei creatoris», das mittlerweile zum Kernrepertoire gehört und einfach aufgefrischt wird, aber kaum mehr geprobt werden muss. Ein Höhepunkt in diesen Jahren war die erste Aufführung der Krönungsmesse 2015 in der Klosterkirche mit einer Rekordbeteiligung von fast 70 Mitsingenden.
Ein Stück a capella gesungen – trotz des anwesenden Orchesters. Für mich ist dabei der 100. Psalm von Felix Mendelssohn in wärmster Erinnerung. Der Chor formierte sich damals (2018) im Kreis zwischen den Stallen und liess die Aufforderung der ersten Textzeile «Jauchzet dem Herrn alle Welt» unvergesslich kraftvoll ertönen.
Ist ein Bezug zur Klostergeschichte möglich? Ist es möglich, eine Komposition zu integrieren, die aus der Feder eines Engelberger Mönchs stammt, oder kann mit dem gewählten Werk irgendein Zusammenhang hergestellt werden? Da eignet sich Musik von Felix Mendelssohn immer wieder von Neuem, sind doch Aufzeichnungen seiner Besuche in Engelberg (1831 und 1842) gut dokumentiert. 2024 war es eine Aufführung der d-Moll-Messe von Joh. Bap. Hilber, der in der Zeit von 1905 bis 1910 Klosterschüler in Engelberg war.
Klingende Grosszügigkeit
«Alles, was Odem hat, lobe den Herrn»: Mit diesen Worten aus der 2. Symphonie, dem «Lobgesang», von Felix Mendelssohn erfüllte sich diesen August ein lang gehegter Traum. Dieses Werk war bei seiner Uraufführung 1840 an Opulenz kaum zu überbieten, mit mehreren Hundert Teilnehmenden und einem überreichen Instrumentarium. Auszüge daraus und ein auf Kammermusikformation reduzierter Orchesterpart standen nun 2025 auf dem Programm.
Dieser mächtige Schlussakkord, die Feierlichkeit des Gottesdienstes inklusive der kurzen, eindrücklichen Predigt und das unübertreffliche Prachtwetter beim anschliessenden Umtrunk mögen den Grad der Dankbarkeit gegenüber dem Kloster ausdrücken. Dass es seit Jahren möglich ist, in dieser Art und Weise musikalisch tätig sein zu dürfen, ist ein unglaubliches Privileg.
Fast wie ein Klassentreffen – einfach über viele Jahre
Was für eine Freude, wenn sich am Schluss junge und erfahrene Sängerinnen und Sänger zusammengefunden haben und mit gleicher Inbrunst einstimmen in dieses Lob Gottes – oder je nach dem einfach in dieses musikalische Erlebnis.

Immer wieder haben sich auch Singende gemeldet, die selbst hier in der Schule waren und von ihren Erfahrungen und Erinnerungen berichteten in den raren Pausen zwischen den Proben. Und dann gibt es Leute, die sich am 15. August beim abschliessenden Apero verabschieden mit den Worten: «Also dann bis zum nächsten Mal!»
Und das nächste Mal dürfte der 15. August 2026 sein. Zu genaueren Angaben besuche man die Homepage des Klosters. Gesetzt sind die beiden Ansingtage vor den Sommerferien zum Erhalt der Noten und zum Kennenlernen der Musik. Es sind dies Fronleichnam, 4. Juni, 13.30 Uhr bis 17.30 Uhr und Samstag, 13. Juni, ebenfalls von 13.30 Uhr bis 17.30 Uhr.
Sollten Sie sich durch diesen Bericht angesprochen fühlen, zögern Sie nicht und melden Sie sich gleich unter stiftschor@stiftsschule-engelberg.ch an.
Palmsonntag und Triduum Paschale
Das Triduum Paschale ist der zentrale Höhepunkt des katholischen Kirchenjahres, das Leiden, Sterben und Auferstehen Jesu Christi feiert. Es beginnt am Abend des Gründonnerstags und endet am Ostersonntag. Die drei Tage, darunter der Karfreitag, bilden das Fundament des christlichen Glaubens.
Die Schülerinnen und Schüler der 2. OG können während ihrer Besinnungstage diesen Höhepunkt des Kirchenjahres auf eine ganz besondere Art miterleben.
Ab Palmsonntag und den Ostertagen begleitet der Stiftschor die Liturgie des Triduum Paschale. Die genauen Zeiten finden Sie unter untenstehendem Link.
Ruth Mory Wigger
Stiftskapellmeisterin
