31.03.2026

Warum Schweizer Start-ups nach der Gründung scheitern …

… und wie wir sie halten können

Als Schüler der Stiftsschule Engelberg habe ich mich in meiner Maturaarbeit im Fach Wirtschaft mit einer Frage beschäftigt, die für die Zukunft der Schweiz zentral ist: Warum gelingt es vielen jungen Start-ups zwar, eine erste Finanzierung zu finden, scheitern aber später daran, genügend Geld für weiteres Wachstum zu erhalten, sodass sie im schlimmsten Fall ins Ausland abwandern und Innovation für die Schweiz verloren geht?

Innovation ist ein zentraler Motor jeder Wirtschaft, besonders in der Schweiz, deren Wohlstand stark auf neuen Medikamenten, Technologien und wissenschaftlichen Entwicklungen basiert.

Unter dem Titel «Barriers and Perspectives on Swiss IT and Pharma Start-up Financing» habe ich untersucht, welche Hürden besonders in der wichtigen Wachstumsphase (Series A/B) auftreten. In dieser Phase entscheidet sich oft, ob aus einer guten Idee ein erfolgreiches Unternehmen werden kann. Es geht dann um den Aufbau eines Teams, den Eintritt in internationale Märkte und, besonders im Pharma-Bereich, um sehr hohe Entwicklungs- und Regulierungskosten.

Für meine Arbeit habe ich zwei Perspektiven kombiniert. Einerseits habe ich zahlreiche Daten und Studien zur Schweizer Start-up-Landschaft analysiert, andererseits habe ich fünf Experteninterviews mit Personen aus der Praxis geführt, darunter Gründer, Investoren, Family Offices sowie Fachleute aus Finance und M&A. Gerade dieser Teil war für mich besonders spannend: Interviews vorbereiten, Gespräche führen, Aussagen auswerten und mit Daten vergleichen. Dadurch konnte ich die Herausforderungen der Schweizer Start-up-Szene aus verschiedenen Perspektiven analysieren und die einzelnen Probleme besser zusammenführen, um die zentralen Herausforderungen der gesamten Branche herauszuarbeiten.

Meine Analyse zeigt drei zentrale Gründe für die Finanzierungslücke:

Erstens investieren viele Schweizer Anleger eher vorsichtig und meiden hohe Risiken. Zweitens gibt es in der Schweiz nur wenige grosse Investoren, die in späteren Finanzierungsrunden sehr hohe Beträge investieren können. Drittens fehlt teilweise spezifisches Branchenwissen, etwa bei komplexen IT-Geschäftsmodellen oder bei Pharma-Start-ups mit langen Entwicklungszeiten.

Meine Schlussfolgerung: Die Schweiz ist sehr stark darin, neue Ideen zu starten, aber oft nicht darin, sie gross werden zu lassen. Damit mehr innovative Unternehmen langfristig im Land bleiben, braucht es mehr Risikokapital, mehr Venture-Know-how und langfristig orientierte Investoren für die Wachstumsphase.

Die Arbeit war für mich insgesamt eine spannende Herausforderung und hat mir ermöglicht, mich bereits jetzt intensiv mit einem Bereich zu beschäftigen, in dem ich später gerne studieren möchte. Da ich weiss, dass mein Thema viele weitere Fragen aufwirft, freue ich mich jederzeit über persönliche Gespräche oder Fragen und über einen vertieften Austausch mit Interessierten.

Henri Koller
Maturaklasse 2026

Weitere Beiträge